Warum Ratten?

Zum einen, weil ich sie als Teenie kennenlernte (bei einer Punker-Freundin) und sofort sympathisch und toll fand. Meine Freundin hatte einen riesigen Albino-Bock, der ihr wie ein Hund nachlief, überall mit hinkam und mich sofort knutschte, kaum dass ich ihn auf der Schulter hatte. Dabei muss ich mir wohl den “Virus Rattibegeistericus” gefangen haben!

Kurz drauf bekam ich selbst Ratten, 2 Mädels aus dem Zooladen. Das war der Beginn einer bis heute dauernden, wunderbaren Freundschaft mit Ratten. Meine Punker-Freundin schenkte mir einen Wildrattenmix, die “bezaubernde Jeannie”, ein 600 g-Weib in Agouti Berkshire, ich holte sie in Hannover ab und sie fuhr unter meinen langen Haaren mit mir im Bahnabteil. Ich hatte nicht an eine Transportbox gedacht und brauchte auch keine. Jeannie wurde steinalt (5 Jahre!) und bekam leider einen Tumor in der Achselhöhle, weshalb sie dann leider auch eingeschläfert werden musste. Ich habe keine Fotos von Jeannie, wie schade. Paulinchen (Black Hooded), eine junge Zooladenratte, bekam im zarten Alter von 8 Wochen dann 8 Babies, ich behielt 4 Mädels… der Rest des Welpenrudels, alles Jungs, gingen zur Züchterin zurück. Die traurigen Blicke und um die Gitterstäbe gelegten Händchen werde ich nie vergessen. 

Zombinchen, Paulines Tochter, war meine erste Ratz mit roten Augen (Fawn hooded). Jeannie bekam Milch und säugte die Babies mit, es war eine reine Freude. Die Ratten lebten im Dauerfreigang im Wohnzimmer, wir hatten alle Kabel und andere Gefahrenquellen hochverlegt bzw. in Kabeltunneln versteckt, mit von der Partie waren noch die Zwergkaninchenböcke Mucki und Gypsy und das Chinchilla-Pärchen Josy und Chip. 

Wölfi, auch eine Pauline-Tochter (English Blue Hooded), entpuppte sich als eine Art Agility-Ratte, die begeistert über Hindernisse sprang und mit mir Spiele erfand. Jeannie, Pauline, Wölfi, Zombinchen, Hexi und ZéZé waren ein tolles Mädelsteam.

Ich war in meinem ganzen Leben zwei Jahre ohne Ratten, und die ganze Zeit habe ich sie vermisst und das einzige Foto von Jeannie nie aus dem Portemonnaie genommen (das mir leider mitsamt Foto geklaut wurde). Ich hatte Ratten aus Hobbyzuchten, von Freundinnen, aus Zooläden, aus dem Tierschutz, direkt aus dem Versuchstier-Labor, von Schlangenhaltern, und eine sterbende Wildratte, die ich an der Mülltonne eines Frankfurter Imbisses fand und mit heim nahm, wurde wieder gesund und wuchs zu beachtlicher Größe - ich hatte ein Jungtier aufgelesen und es für ein ausgewachsenes gehalten. Das war Gino Ginello, ein superintelligenter Bock, der es auf 850 g schaffte - klar konnte er nicht ins Mädelsrudel, aber auch nicht allein bleiben, also kam damals von meiner Freundin ein schwarzes Bruder-Duo dazu (Black Berkshire) - Huginn und Muninn. Mit Ratties beiderlei Geschlechts konnte ich nun mit den Jungs kuschelnd auf dem Sofa sitzen und den Mädels dabei zusehen, wie sie meine Bude auseinandernahmen. Schön, Tiere zu haben! 

Ein Bekannter an der Uni verhalf mir zu zwei Albinoböcken aus dem Labor - sie waren zarte 6 Wochen alt und für Hodenkrebsversuche bestellt worden, aber sie kamen als  Fehllieferung an: kastriert! Sie sollten getötet werden, da das billiger war, als sie der Labortierfirma zurückzuschicken, und mein Bekannter fand zu Recht, dass das Frevel und Sünde ist. Ich schlich mich zum Labortrakt - Handtasche auf, Ratten rein, Handtasche zu, ab ins Auto und wupps nach Hause. Die beiden Albinos, Karl und Karlsson, waren zahm, lieb, schmusig und wurden dreieinhalb und viereinhalb Jahre alt! So hieß Karl, der letzte der beiden, denn auch nur noch “Methusalix”…  er verstand sich als einziges nichtmenschliches Lebewesen super mit Messalina, meinem damaligen Hamsterweibchen, oft saßen sie beieinander und putzten sich gegenseitig.

Warum Ratten?

Vorteile: Sie sind intelligent, sozial, liebenswert, schmusig, manchmal beängstigend menschenähnlich in ihren persönlichen Macken, Zu- und Abneigungen. Sie sind zänkisch und rabiat, aber auch zärtlich und geduldig.Sie mögen das Rudelleben, sind aber manchmal auch gern jeder für sich.

Nachteile: sie werden nicht alt und bekommen im Alter oft Tumore. Und: sie müssen im Käfig/Voliere gehalten werden und können nicht wie meine Hunde und Katzen frei rumlaufen. 

Ich bin seit meiner Kindheit chronisch krank und weiß, dass ich einen großen Teil der Medikamente, die mir das Weiterleben überhaupt ermöglichen, an Ratten (und natürlich anderen Tierarten) getestet wurden und werden. Indem ich Ratten so artgerecht und liebevoll wie möglich halte, habe ich das Gefühl, einen winzigen Teil zurückgeben zu können an Ratten als Art - ein Dankeschön, eine tiefe Verbundenheit.

Ratten gehören für mich einfach zu meinem Leben dazu - ohne sie möchte ich es mir gar nicht mehr vorstellen. Inzwischen haben wir die Kommunikation von Art zu Art, Mensch zu Ratte, so verbessern können, dass wir Gefühle hin- und herschicken können, auch auf Entfernung. Ratten - was für ein Geschenk! 

In diesem Zusammenhang ein großes DANKESCHÖN für die tolle gemeinsame Zeit, Eure Liebe, Zuneigung, Vertrauen, Freundschaft, und dass Ihr mich (aus Eurer Sicht wohl eine Art zweibeinige, tollpatschige Riesenratte mit Fenstern im Gesicht (= Brille) in Eure Rudel aufgenommen habt,

an meine Familienmitglieder im Ratten-Walhalla: 

Mara, Cleopatra, Kassandra, Cassiopeia, Zuni, Mi!, Jeannie, Pauline Linsley, Wölfi, Zombinchen, ZéZé, Hexi, Gismo, Huginn, Muninn, Fergus McRatz, Froy, Karl, Karlsson Methusalix, Gino Ginello (der Eismann), Medea, Poppaea, Sappho, Geraldine, Mick, Jesse James, Herr Müller, Zuckerschnute, SuperSusi, Pommes, Hägar, Dropsmann, Bibop, Rasta-Man, Shaka-Zulu, Fräulein Herzlich, Tante Frieda, Erdbäre, Warum-immer-ich, Harley, Hansi, Herbert, Eckaat, Wänä, Zottelfreak, Salbei-Sue, Zaubersack, Lilofee, FiFi, Finchen, Fiete, Algiz, Wunjo, Isa, Isarma, Deoris, Miko, Freya, Helga, Hölleken, Schwatt-Ösken, Opa Orion, Sothis, Remus Lupin, Ratzputin (Nikey), Juno Mühlenratz, Scarlett o’Hara (Drama Queen) Mühlenratz, Rabea, Honey, Stella Mae Mühlenratz 

- Ihr seid nicht vergessen, Ihr habt immer einen Platz in meinem Herzen, und irgendwann fressen wir uns gemeinsam durch den großen Mond-Käse in Walhalla! Ich hätt’ aber gern ein Bier dazu…

 



JohannaLuna am Juni 20th 2010

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